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Warum wir auf XCP-ng setzen – trotz der leisen Präsenz
Vor rund drei Jahren haben wir unsere Virtualisierungsplattform von Hyper-V auf Citrix XenServer migriert, mit dem Ziel, eine robustere und konsistentere Lösung für produktive Cloud-Umgebungen einzusetzen. In den vergangenen Jahren haben jedoch die Weiterentwicklung des Lizenzmodells sowie Veränderungen in der operativen Architektur von Citrix eine Reihe von Aspekten mit sich gebracht, die in unserem Kontext eine erneute, sorgfältige Bewertung erforderlich machten. Insbesondere die zunehmende Abhängigkeit von ausländischen Cloud-Modellen wirft konkrete Fragen für all jene auf, die operative Kontrolle, Kostenplanbarkeit und vollständige regulatorische Konformität sicherstellen müssen.
Dabei handelt es sich nicht um abstrakte Befürchtungen, sondern um überprüfbare Fakten: die fehlende Möglichkeit, die Plattform vollständig on-premises zu betreiben, die verpflichtende Abhängigkeit von externen Cloud-Diensten, nicht immer vollständig kontrollierbare Telemetrieflüsse, potenzielle Datenübertragungen ausserhalb des schweizerischen Rechtsraums sowie ein wachsendes Risiko von Vendor Lock-in. Hinzu kommt eine geringere Vorhersehbarkeit der Kosten im mittel- und langfristigen Betrieb.
Nach einer erfolgreich abgeschlossenen Pilotphase haben wir uns daher entschieden, die gesamte Cloud-Plattform auf XCP-ng zu migrieren. In diesem Zusammenhang fällt ein Aspekt besonders auf: Während Alternativen zu VMware wie Proxmox oder andere Hypervisoren online intensiv diskutiert werden, taucht XCP-ng in diesen Debatten nur selten auf. Und genau diese Zurückhaltung macht die Plattform für uns interessant.
Sichtbarkeit ist kein Qualitätsmerkmal
Wer sich heute mit dem Thema Virtualisierung beschäftigt, gewinnt leicht den Eindruck, dass Proxmox die naheliegende Alternative zu VMware sei. Artikel, Tutorials, Videos und Social-Media-Beiträge sind allgegenwärtig. XCP-ng hingegen bleibt häufig im Hintergrund.
Der Grund dafür liegt nicht in fehlenden technischen Fähigkeiten, sondern in der Zielgruppe. XCP-ng richtet sich primär an Administratoren und Organisationen, die produktive Umgebungen betreiben – oft mit einer gewachsenen Xen-Historie. Diese Zielgruppe produziert wenige Inhalte, weil sie selten Anlass dazu hat. Systeme, die unauffällig funktionieren, erzeugen keine Schlagzeilen.
Kontinuität statt Neuanfang
Ein zentraler Aspekt unserer Entscheidung war Kontinuität. XCP-ng basiert auf derselben Xen-Codebasis wie XenServer. Konzepte, Betriebsmodelle, Storage-Integration und Netzwerkkonfiguration bleiben vertraut. Es handelt sich weder um einen Paradigmenwechsel noch um eine Plattform, die komplett neu erlernt werden muss. Es gibt keine versteckten funktionalen Unterschiede, die erst im laufenden Betrieb auffallen.
Gerade in produktiven Umgebungen ist das ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Migration bedeutet hier nicht, alles neu aufzubauen, sondern eine bestehende Plattform auf einer soliden Grundlage weiterzuentwickeln. Operative Prozesse, Monitoring-Systeme, Backup-Strategien und Dokumentation lassen sich nahezu vollständig weiterverwenden.
Die neue Plattform ermöglicht es zudem, die vollständige Kontrolle über die Infrastruktur aus technischer, rechtlicher und wirtschaftlicher Sicht zu behalten: keine Verpflichtung zur Anbindung an Cloud-Dienste aus Lizenz- oder Telemetriegründen, keine Übertragung von Daten an Dritte und die Möglichkeit, den Betrieb vollständig innerhalb der nationalen Grenzen sicherzustellen.
Weniger Marketing, mehr Substanz
XCP-ng verzichtet weitgehend auf aggressives Marketing. Die Plattform strebt keine erzwungenen Positionierungen an, verspricht keine Revolutionen und baut keine Erwartungen auf zukünftige Funktionen auf. Der Fokus liegt stattdessen auf:
- offener Entwicklung
- einer transparenten Roadmap
- einer klaren Trennung zwischen Community und kommerziellem Support
- einem vorhersehbaren und stabilen Plattformverhalten
Dieser Ansatz erzeugt möglicherweise weniger Aufmerksamkeit, schafft jedoch Vertrauen – insbesondere in Umgebungen, in denen Stabilität und langfristige Planung wichtiger sind als eine maximale Funktionsdichte.
Gleichzeitig reduziert der Open-Source-Ansatz das Risiko eines Vendor Lock-ins erheblich. Kunden behalten die Freiheit, die Plattform selbst zu betreiben, die Technologie zu wechseln oder einen anderen Dienstleister zu beauftragen. Diese Freiheit ist kein Nachteil, sondern stärkt das Vertrauen: Die Beziehung basiert nicht auf künstlichen Abhängigkeiten, sondern auf Servicequalität und Transparenz.
Xen ist nicht «alt», sondern ausgereift
Xen wird oft als Legacy-Technologie wahrgenommen. Tatsächlich handelt es sich um einen der am längsten produktiv eingesetzten Hypervisoren überhaupt, mit einem sehr klaren Sicherheits- und Architekturmodell. Die Trennung zwischen Control Domain und Gast-VMs ist kein historisches Relikt, sondern eine bewusste Designentscheidung, das bis heute konkrete Vorteile bietet – insbesondere in Cloud- und Multi-Tenant-Szenarien.
XCP-ng profitiert von dieser langen Entwicklungsgeschichte, ohne davon eingeschränkt zu werden. Die Plattform entwickelt sich kontinuierlich weiter, jedoch ohne abrupte Richtungswechsel oder konzeptionelle Brüche.
Warum man so wenig darüber liest – und warum das für uns in Ordnung ist
Rückblickend überrascht es nicht, dass XCP-ng in Online-Diskussionen nur selten erwähnt wird. Die Plattform polarisiert nicht, verspricht keine Umwälzungen und versucht nicht, alles für jeden zu sein. Genau das macht sie für unseren Anwendungsfall interessant.
Unsere Migration zu XCP-ng ist keine Flucht, sondern eine bewusste Entscheidung: für Stabilität, Offenheit und langfristige Kontrolle über die eigene Infrastruktur.
Ausblick: der technische Teil
In einem der nächsten Beiträge der Serie «combined.expert» werden wir die technische Migration von XenServer zu XCP-ng detailliert dokumentieren – mit konkreten Beispielen und Screenshots.